Rückblick Konzerte
50 Jahre - und kein bisschen leise.
Die Thomaskantorei feiert Jubiläum
Das Aufgebot und das Programm zum Jubiläumskonzert der Extraklasse in der St. Thomas-Kirche waren beträchtlich. Zum Aufgebot gehörte die Kirchenorgel, der Posaunenchor Wolfenbüttel und natürlich in ganz besonderem Maße die Thomas-Kantorei. Zum Programm gehörte Musik aus fünf Jahrhunderten, von der Renaissance über Barock und Romantik bis zur Neuzeit.
Neben einem Chorsatz von Sethus Calvisius und dem 150. Psalm von Arnold Mendelssohn (einem Vetter zweiten Grades des bekannten Felix Mendelssohn Bartholdy), beides zusammen mit dem Posaunenchor einfühlsam musiziert, standen gleich drei zeitgenössische Komponisten auf demProgramm. Die beiden Wolfenbütteler Manfred Spiller (mit seinem Da pacem domine, als Kanon für den Chor und als selbständige Begleitmusik für die Bläser konzipiert) und Hans-Hermann Haase (früherer langjähriger Leiter der Thomas-Kantorei). Mit einem neuen, gekonnt gesetzten Satz (und neuer Melodie) zu dem bekannten Paul-Gerhard-Text „Befiehl du deine Wege“ zeigte Haase, dass er die A-cappella-Komposition trefflich beherrscht. Traugott Fünfgeld kam mit seinem fünfteiligen „Psalm 66“ für Chor und Bläser – mit swingenden Elementen – zu Gehör, sichtbar freudig von den Sängerinnen und Sängern vorgetragen.
Mit einer Einlage von drei Stücken aus der Feder der Komponisten Stanford, Händel und Buchner (Arrangement) bewies der Posaunenchor Wolfenbüttel unter der sicheren Leitung von Siegfried Markowis Klang- und Intonationskönnen vom tiefen bis zum hohen Blech.
Die Hauptwerke des Abends waren zwei Messen, die Missa brevis in F (op. 117) von Josef Gabriel Rheinberger und die Messe in cis-moll (op. 16) von Louis Verne (daraus das Kyrie und das Agnus Dei). In der Komposition von Rheinberger konnte die Kantorei a cappella ihre volle Klangstärke beweisen, in der Messe von Vierne gelang es der Dirigentin, die Espressivo-Stellen insbesondere des Kyrie besonders eindrucksvoll herauszuarbeiten, souverän begleitet von Luise Schiefner an der Orgel.
Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Matthias Moog, ließ es sich nicht nehmen, eine beeindruckende Laudatio mit Blick auf die Geschichte und die Leistungen der Kantorei zu halten. Die Leiterin der Kantorei, Imke Isensee, zog aus ihren Sängerinnen und Sängern nicht nur klangliche und interpretatorische Hochleistungen, sondern führte auch mit interessanten Informationen und gelegentlichem Augenzwinkern launig als Moderatorin durch das Konzert. Beeindruckend auch die Statements zweier Chormitglieder zu ihrem Verständnis zum Singen und zur Teilhabe in der Kantorei.
Das dankbar applaudierende Konzertpublikum in der voll besetzten Kirche kam nicht nur auditiv auf seine Kosten, sondern konnte bei einem abschließenden Mitsingstück mit Vor- Zwischen- und Nachspiel der Bläser (Satz von C.C. Scholefield) auch sonor am Klanggeschehen teilhaben.
Der Kantorei ist zu wünschen, auch nach dem Jubiläum und dem Erfolgskonzert noch viele Jahre begeistert und klangschön als Chorgemeinschaft zu wirken.
Franz Riemer
10.Mai 20026
Abend der Lieder - Das andere Konzert
am 12. September 2025
Ein Strauß von geistlichen und weltlichen Werken von Giovanni Gastoldi, J. S. Bach, Sergej Rachmaninoff, Fanny Hensel, Josef Rheinberger, Max Reger und Ola Gjeilo und einem jamaikanischen Folksong, also aus unterschiedlichen Zeiten und Stilrichtungen, sorgt für gute Stimmung und Unterhaltung. Auch das Publikum wird an einigen Stellen aktiv einbezogen. Und in der Pause trifft man sich zum Plaudern bei kühlen Getränken.
Eintritt frei, Spende erbeten.
Passionskonzert "Die Kreuzigung"
"John Stainer (1840 - 1901) war einer der angesehensten Musiker Englands in der viktorianischen Zeit. Als Komponist brachte er ein umfangreiches Werk geistlicher Musik hervor. Seine Passionskantate „Die Kreuzigung“ (The Crucifixion) gehört zu seinen bekanntesten Werken und wird in Großbritannien auch heute noch häufig aufgeführt. Stainers Kompositionen sind von Mendelssohn (früheres Werk) und Gounod (Spätwerke) beeinflusst. In Deutschland sind sie - zu Unrecht - weniger bekannt.
„Die Kreuzigung“ ist kein Oratorium im gewohnten Sinne, eher eine meditative musikalische Erzählung und Verkündigung, eingebunden in den anglikanischen Gottesdienst vor allem in der Passionszeit. Aber sie ist in ihrem Aufbau den Passionen Bachs ähnlich, die zu dieser Zeit in England bekannt wurden: Rezitative wechseln sich ab mit Solostücken, Chorälen und Chorkantaten.
Die Mitwirkung des Kinder- und Jugendchores Wolfenbüttel (Ltg. Luise Schiefner) in einem Konzert der Thomaskantorei war eine - geglückte - Premiere. Mitglieder des Jugendchores sangen in der Kantorei mit, der Kinderchor war in den Chorälen mit eigenen Beiträgen beteiligt."