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13.05.2026 Kategorie: ThomasGemeinde

50 Jahre - und kein bisschen leise

Die Thomaskantorei feiert Jubiläum

Das Aufgebot und das Programm zum Jubiläumskonzert der Extraklasse in der St. Thomas-Kirche waren beträchtlich. Zum Aufgebot gehörte die Kirchenorgel, der Posaunenchor Wolfenbüttel und natürlich in ganz besonderem Maße die Thomas-Kantorei. Zum Programm gehörte Musik aus fünf Jahrhunderten, von der Renaissance über Barock und Romantik bis zur Neuzeit. 

Neben einem Chorsatz von Sethus Calvisius und dem 150. Psalm von Arnold Mendelssohn (einem Vetter zweiten Grades des bekannten Felix Mendelssohn Bartholdy), beides zusammen mit dem Posaunenchor einfühlsam musiziert, standen gleich drei zeitgenössische Komponisten auf demProgramm. Die beiden Wolfenbütteler Manfred Spiller (mit seinem Da pacem domine, als Kanon für den Chor und als selbständige Begleitmusik für die Bläser konzipiert) und Hans-Hermann Haase (früherer langjähriger Leiter der Thomas-Kantorei). Mit einem neuen, gekonnt gesetzten Satz (und neuer Melodie) zu dem bekannten Paul-Gerhard-Text „Befiehl du deine Wege“ zeigte Haase, dass er die A-cappella-Komposition trefflich beherrscht. Traugott Fünfgeld kam mit seinem fünfteiligen „Psalm 66“ für Chor und Bläser – mit swingenden Elementen – zu Gehör, sichtbar freudig von den Sängerinnen und Sängern vorgetragen.

Mit einer Einlage von drei Stücken aus der Feder der Komponisten Stanford, Händel und Buchner (Arrangement) bewies der Posaunenchor Wolfenbüttel unter der sicheren Leitung von Siegfried Markowis Klang- und Intonationskönnen vom tiefen bis zum hohen Blech. 

Die Hauptwerke des Abends waren zwei Messen, die Missa brevis in F (op. 117) von Josef Gabriel Rheinberger und die Messe in cis-moll (op. 16) von Louis Verne (daraus das Kyrie und das Agnus Dei). In der Komposition von Rheinberger konnte die Kantorei a cappella ihre volle Klangstärke beweisen, in der Messe von Vierne gelang es der Dirigentin, die Espressivo-Stellen insbesondere des Kyrie besonders eindrucksvoll herauszuarbeiten, souverän begleitet von Luise Schiefner an der Orgel.

Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Matthias Moog, ließ es sich nicht nehmen, eine beeindruckende Laudatio mit Blick auf die Geschichte und die Leistungen der Kantorei zu halten. Die Leiterin der Kantorei, Imke Isensee, zog aus ihren Sängerinnen und Sängern nicht nur klangliche und interpretatorische Hochleistungen, sondern führte auch mit interessanten Informationen und gelegentlichem Augenzwinkern launig als Moderatorin durch das Konzert. Beeindruckend auch die Statements zweier Chormitglieder zu ihrem Verständnis zum Singen und zur Teilhabe in der Kantorei.

Das dankbar applaudierende Konzertpublikum in der voll besetzten Kirche kam nicht nur auditiv auf seine Kosten, sondern konnte bei einem abschließenden Mitsingstück mit Vor- Zwischen- und Nachspiel der Bläser (Satz von C.C. Scholefield) auch sonor am Klanggeschehen teilhaben.

Der Kantorei ist zu wünschen, auch nach dem Jubiläum und dem Erfolgskonzert noch viele Jahre begeistert und klangschön als Chorgemeinschaft zu wirken.

Franz Riemer